11. Sonntag im
Jahreskreis
17. 6. 2012
Mk 4, 26-34
26Er sagte: Mit dem Reich
Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
27dann
schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt
und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.
28Die
Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das
volle Korn in der Ähre.
29Sobald
aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist
da.
30Er
sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis
sollen wir es beschreiben?
31Es
gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man
in die Erde sät.
32Ist
es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und
treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten
können.
33Durch
viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen
konnten.
34Er
redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles,
wenn er mit ihnen allein war.
Gedanken zum
Evangelium
Jesus will das
Reich Gottes aufbauen. Dieses ist eine Gemeinschaft, in der die Menschen Gottes
Autorität anerkennen und nach seinen Weisungen leben. Wahrheit, Gerechtigkeit,
Liebe und Frieden sind seine Kennzeichen (Präfation vom Christkönigsfest).
Jesus führt durch
Gleichnisreden zum Verständnis des Gottesreiches. Zwei Gleichnisse bringt das
heutige Evangelium:
Der Same auf
dem Acker
Das Säen ist die
ureigenste Aufgabe des Christen. Viele haben ihren Glauben deshalb verloren,
weil sie nicht mehr gesät haben und die Frage nach Gott und seinem Reich in
ihrem Leben keinen Platz mehr fand. Wir sollen den Samen des Glaubens ins
eigene Herz und auch in die Herzen unserer Mitmenschen säen. Dies betrifft in
erster Linie die Familien. Eltern, die sich um den Glauben ihrer Kinder mehr
mühen als um deren Schulnoten oder Sporterfolge, sind gute Säleute.
Das Wachstum
können sie manchmal nicht entscheidend beeinflussen. Das Gleichnis gibt uns die
Zuversicht, dass alles Gesäte Frucht bringen wird. Wir haben keinen Grund zu
verzagen, wenn der Glaube in der Gesellschaft oder in unseren Familien zu
schwinden scheint. Es gibt die Verheißung des Wachstums. Wenn wir unseren
Beitrag geleistet haben, können wir gelassen auf die Ernte warten.
Das Senfkorn
Bei den Juden galt
es als das kleinste Samenkorn. Die Senfstaude wuchs auf zwei bis drei Meter
heran und bot den Vögeln Deckung und Schatten.
Auch in diesem
Gleichnis leuchtet Zuversicht auf. Diese Zuversicht betrifft einmal schon den
Christen selbst, der sich eingestehen muss, zu wenig für seinen Glauben zu tun.
In den vielfältigen Aufgaben unseres von Tätigkeits- und Erlebnisangeboten
überfluteten Lebens machen uns die mangelhafte Beziehung zu Gott und die
fehlende Begeisterung für ihn traurig. Doch kann der kleine Same dennoch
wachsen, weil Gott dieses Wachstum trägt und am Ende Früchte ermöglicht.
Andererseits gibt
uns das Gleichnis auch Vertrauen auf das Wachstum des Gottesreiches in einer
Welt, die sich in ihrer diesseitigen Orientierung wie verrückt nach immer neuen
Glücksverheißungen ausstreckt und nur noch Reste des Glaubens an sich trägt. In
unseren Pfarren erfahren wir häufig, wie sich aus diesen Resten wieder ein
grünender Baum entwickeln kann.
„...seinen
Jüngern aber erklärte er alles...“
Es müssen sich in
einer Pfarrgemeinde auch Gruppen finden, die intensivere Gespräche über den
christlichen Glauben anbieten. Bibelrunden, Arbeitskreise für Liturgie,
Gebetsgruppen usw. sind die Orte der Christusbegegnung und der Vertiefung des
Glaubens. Sie führen zum Verständnis dessen, was Jesus heute verkünden will.
Ein wichtiges
Ziel christlichen Lebens ist der Aufbau der Gottesherrschaft unter den
Menschen. Dieser beginnt im eigenen Herzen und soll immer mehr in der Welt
wirksam werden. Wir haben unseren Auftrag und können zuversichtlich auf die
Worte Jesu vertrauen. (merli@utanet.at)
*
Herz-Jesu-Fest
15. 6. 2012
Joh 19, 31-37
31Weil
Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten,
baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und
ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.
32Also kamen
die Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm
gekreuzigt worden war.
33Als sie
aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die
Beine nicht,
34sondern
einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut
und Wasser heraus.
35Und der,
der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß,
dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt.
36Denn das
ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein
zerbrechen.
37Und ein
anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
Gedanken zum
Fest
Den Älteren unter uns sind die Andachtsbilder vom Herzen, das von der
Brust Jesu ausstrahlte, in lebendiger Erinnerung. In vielen Wohnungen hingen
solche Andachtsbilder und in den Kirchen gab es den Herz-Jesu-Altar.
Dazu kamen die Verheißungen für die „Rettung der Seele“, wenn man die
Herz-Jesu-Freitage eine gewisse Zeit hindurch regelmäßig mit Messbesuch, Beichte
und Kommunion gefeiert hatte.
Auch die süßlichen Herz-Jesu-Lieder wurden inbrünstig gesungen. Ihr
Inhalt konnte aber von den meisten nicht ehrlich nachvollzogen werden.
Dies alles führte dazu, dass man die Herz-Jesu-Verehrung aufgab, da sie
nicht in ein modernes „jugendfrisches“ Christentum zu passen schien.
Worin besteht aber eine gesunde und fruchtbare Herz-Jesu-Verehrung, wenn
man sie des Kitsches entkleidet?
Einige
Überlegungen:
Unter Herz versteht man das gesamte reiche Innenleben des Menschen. Wir
sagen: „Der hat ein gutes Herz“, wenn wir einen Menschen mit Mitgefühl für
andere charakterisieren.
Wer das Herz
Jesu verehrt, betrachtet die Gesinnungen Jesu, wie Herzensgüte, Liebe,
Zuneigung, Fürsorge, erkennt seine Haltung der Ehrfurcht vor Gott, seine
Wahrhaftigkeit und Treue, sein Erbarmen, also alle kostbarsten Werte des
gesamten Innenlebens Jesu. So wird dieses auch zum einmalige Vorbild und Leitstern jedes
christlichen Lebens.
Es ist einzusehen, dass ein solches ehrfürchtiges Hinschauen auf diesen
Jesus, also auf sein Herz, den Betrachter prägt, zur Nachahmung anregt und
seinem Leben die heilsame Richtung weist und es immer wertvoller macht. Dass
ein solches Maßnehmen heilsam für dieses und für das ewige Leben wird, ist
verständlich.
Man sieht, die Verheißung der „Rettung der Seele“ durch die
Herz-Jesu-Verehrung, wie man früher sagte, ist gar nicht so absurd und darf
auch in einer „modernen“ Theologie ihren Ehrenplatz einnehmen.
Wer auf die
Gesinnung Jesu schaut, erfährt Wegweisung und kann Jesus als Jünger nachfolgen.
Ein vom Herzen Jesu geprägtes Christsein ist Auftrag für unseren Lebensweg zu
Gott. (merli@utanet.at)