13. Sonntag im
Jahreskreis
1. 7. 2012
Mk 5, 21-43
21Jesus
fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge
versammelte sich um ihn. Während er noch am See war,
22kam ein
Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen
23und
flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg
ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.
24Da ging
Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
25Darunter
war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.
26Sie war
von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes
Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr
Zustand war immer schlimmer geworden.
27Sie hatte
von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und
berührte sein Gewand.
28Denn sie
sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
29Sofort
hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden
geheilt war.
30Im selben
Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich
in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?
31Seine
Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und
da fragst du: Wer hat mich berührt?
32Er
blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.
33Da kam
die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie
fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
34Er aber
sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du
sollst von deinem Leiden geheilt sein.
35Während
Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten,
und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den
Meister noch länger?
36Jesus,
der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht;
glaube nur!
37Und er
ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des
Jakobus.
38Sie
gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte,
wie die Leute laut weinten und jammerten,
39trat er
ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht
gestorben, es schläft nur.
40Da
lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen
Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag.
41Er fasste
das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt:
Mädchen, ich sage dir, steh auf!
42Sofort
stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute
gerieten außer sich vor Entsetzen.
43Doch er
schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man
solle dem Mädchen etwas zu essen geben.
Gedanken zum
Evangelium
Die Heilung der
Frau, die ihr letztes Vertrauen auf Jesus setzt, und die Erweckung der Tochter
des Synagogenvorstehers zeigen dem Leser die Notwendigkeit des Glaubens und die
Vollmacht Jesu über Krankheit und Tod.
Die Not führt
Jairus zu Jesus.
Man sagt: Not
lehrt beten. Diese Volksweisheit ist eine Lebenserfahrung. Wohlhabende
vergessen häufig auf Gott. In höchster Not finden die Menschen oft wieder zu
ihrem Glauben und zum Gebet zurück.
Der reife Christ
weiß sich immer gefährdet; sein Leben in Wohlergehen ist nicht endgültig gesichert.
Er kann und soll sein Vertrauen in guten und in schlechten Tagen auf Gott
setzen und seinen Lebensweg täglich Jesus anempfehlen.
„Meine Tochter,
dein Glaube hat dir geholfen.“
Die Frau nimmt
Zuflucht bei Jesus, sie vertraut sich seiner Hilfe an, sie setzt nur noch auf
ihn.
In letzter Not,
bei scheinbar aussichtslosen Ereignissen in unserem Leben sollen wir Christen
aus dem Glauben leben, uns an Jesus wenden und auf seinen Beistand bauen. „Dein
Glaube hat dir geholfen“ gilt für uns alle in schweren Tagen, bei Verlust eines
geliebten Menschen und auch in der eigenen Todesnot.
„Sei ohne
Furcht; glaube nur!“
Der
Synagogenvorsteher wurde zum Glauben ermuntert, als die Rettung seiner Tochter
schon aussichtslos schien.
Kennzeichen
christlichen Glaubens ist die Furchtlosigkeit. Sie ist begründet in der
sicheren Erwartung, dass uns Jesus nie verlässt. Der Christ setzt in der
Freude, im Leid und in der Ausweglosigkeit seine Hoffnung auf diese
Gemeinschaft mit dem Auferstandenen.
Es werden nicht
alle Kranken geheilt und alle Toten zurück in die jetzige Welt auferweckt, aber
jeder Christ ist schon hineingenommen in die Auferstehung Jesu, er trägt schon
den Keim des neuen Lebens, das nicht mehr dem Tod geweiht ist, in sich, er kann
nicht mehr endgültig verloren sein.
„Da lachten sie
ihn aus.“
Für das Vertrauen
auch in schwersten Zeiten haben rein diesseitig Orientierte kein Verständnis.
Sie wundern sich und schütteln auch heute den Kopf, wenn sie einen sich seinem
Schicksal ergebenden Glaubenden sehen. Der Christ weiß, dass sein Leben nicht
endlos gesund und glücklich verlaufen kann. Er bereitet sich schon in gesunden
Tagen auf die Situation des Zerbrechens vor, indem er seinen Glauben treu lebt
und seine Beziehung zu Jesus pflegt.
„Mädchen, ich
sage dir, steh auf!“
Wir können unser
Leben in die Hände Gottes legen. Die Stimme Jesu wird sich auch über unserem
Leid und unserem Tod erheben: … ich sage dir, steh auf!“ Die Rettung und
endgültige Erlösung in die Fülle des Ewigen ist uns schon in Christus, dem
Auferstandenen geschenkt. Wer sich ihm im Glauben verbindet, der lebt schon
durch ihn in der neuen Dimension, zu der uns Gott ruft. Er wird bemüht sein,
die Hindernisse dieser Beziehung zu verringern und immer wieder zu beseitigen.
Staunendes Begreifen, beglückende Lebensfülle, seliges
Erwachen sind uns allen von dem verheißen, zu dem wir gehören und der uns in Liebe
erwartet. (merli@uztanet.at)