Montag, 17. September 2012


26. Sonntag im Jahreskreis

30. 9. 2012 

Mk 9, 38-43.45.47-48
38Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.
39Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.
40Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
41Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.
42Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.
43Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.
44/45Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
46/47Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,
48wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.
Gedanken zum Evangelium

Die Apostel suchen zu verhindern, dass jemand, der nicht zu ihnen gehört, im Namen Jesu Dämonen austreibt.
Es kommt auch in christlichen Gemeinden vor, dass sich eine interne Clique bildet, zu der Außenstehende nur mehr schwer Zugang haben. Die Getreuen sind sozusagen unter sich zufrieden und merken nicht, wie sie sich von den anderen absondern. Sie beten vielleicht miteinander, feiern ihre Festtage, kommen zu gemütlichen Runden zusammen oder machen miteinander Ausflüge. Außenstehende wagen sich kaum in ihre Nähe und kommen sich wie „Gottes zweite Garnitur“ vor.
Dagegen muss eine Pastoral im Sinne Jesu darauf achten, dass sich die Mitarbeiter nicht selbst isolieren oder zum „Seniorenklub“ werden. Immer wieder ist es notwendig, nach Neuen Ausschau zu halten, auch die Jüngeren zur Mitarbeit einzuladen und im Pfarrleben einen Sonderstatus für die Alteingesessenen zu vermeiden.
Wir sollen alle achten, die als anständige Menschen in irgendeiner Form daran interessiert sind, Dämonen aller Art zu verbannen. Jesus sagt es auch uns: Hindert sie nicht, wenn sie im Sinne Gottes das Gute fördern und durch ihr aufrechtes Beispiel gute Wege weisen.

Jesus verheißt denen Lohn, die den Christen Gutes tun, ihre Anliegen unterstützen, auch wenn sie sich selbst noch nicht ausdrücklich zu Jesus bekennen.
In jeder Christengemeinde gibt es Menschen, deren religiöse Praxis nicht optimal ist, die sich am pfarrlichen Leben nur mangelhaft beteiligen, aber das Geschehen mit Wohlwollen verfolgen, mit freigebigen Spenden unterstützen und auch in Notfällen einspringen, wenn etwas zu erledigen ist. Manchmal tragen sie die Sehnsucht nach intensivem religiösem Leben in sich, bringen aber eine Änderung vorläufig nicht zusammen. Sie bezeichnen sich auch gelegentlich scherzhaft selbst als „schwarze Schafe“.
Wir sollten auch das Bemühen derer schätzen, die sich am Geschehen in einer Pfarre nur gelegentlich beteiligen und ihnen zugestehen, eine Zeitlang am Rande mitgehen zu dürfen, ohne sich gleich als Ausgestoßene fühlen zu müssen. Wir sollen dankbar sein, dass sie uns manchmal „einen Becher frischen Wassers“ reichen.

Ganz anders ist die Situation derer, die andere vom Glauben und von guten Wegen abbringen.
Verführern zum Bösen, zur Gottlosigkeit und zur Sittenlosigkeit droht Jesus mit schwersten Strafen. Viele nehmen ihre Verantwortung leicht, denken gar nicht daran, was sie mit Worten und durch ihr schlechtes Beispiel anrichten. Sie leben leichtsinnig dahin und ziehen Menschen von Gott weg. Sie setzen zu den Gottesdienstzeiten Vereinsveranstaltungen an, weil sie am Sonntagnachmittag frei haben wollen, sie reden großmäulig schlecht über Priester, Kirche und Religion. Sie sind stets als falsche Propheten unterwegs, die Menschen zu einem leichtfertigen, gottfernen Leben animieren.
Die Worte Jesu sind eine sehr ernste Warnung an solche Verführer jeder Art und auch an uns, nicht ihr Leben nachzuahmen und mit ihnen ins Verderben zu gehen.

Zuletzt ermahnt uns Jesus, unsere Berufung zum ewigen Leben als unser letztes Ziel nicht zu verspielen.
Wenn uns auch manches so kostbar erscheinen mag wie gesunde Hände und Füße oder gar das Augenlicht, aber von unserem letzten Ziel abbringt, müssen wir es, auch wenn es schmerzt, meiden und darauf verzichten. Alles mitzumachen, alles genießen zu wollen, nichts als verboten anzusehen, kann nicht des Christen Weg sein.
Es geht um die wahre Zukunft, die letzte Vollendung, um den Sinn unseres Lebens. Es geht um unsere Berufung durch Gott zum Leben in Fülle und um letzte Glückseligkeit. Die Worte Jesu zeigen die Gefahr und Möglichkeit auf, sein Lebensziel zu verlieren und in der Sinnlosigkeit zu versinken.

Doch auch harte Worte sind Frohbotschaft, weil sie als Warnung vor Irrwegen schützen und uns Wege zur Freude und zur Vollendung weisen. (merli@utanet.at)