9. Sonntag im
Jahreskreis
2. 6. 2013
Lk 7,
1-10
1Als
Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein.
2Ein
Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte.
3Als
der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu
ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten.
4Sie
gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du
seine Bitte erfüllst;
5denn
er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut.
6Da
ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war,
schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn
ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst.
7Deshalb
habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich
nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden.
8Auch
ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich
nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu
meinem Diener: Tu das!, so tut er es.
9Jesus
war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den
Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen
solchen Glauben gefunden.
10Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus
zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.
Gedanken zum
Evangelium
Nachdem Jesus in
der Feldrede alles gesagt hatte, begab er sich in seine Stadt Kafarnaum, in der
er schon wiederholt gepredigt und Heilungen vorgenommen hatte. Der Hauptmann,
vielleicht ein römischer Centurio oder ein Verwaltungsbeamter, ersucht ihn um
Heilung seines Dieners. Schauen wir heute auf diese sympathische
Persönlichkeit.
Die Sorge um
seinen Diener
In einer Zeit
der Sklavenhaltung ist eine solche Beziehung zum Diener auffällig. Er wird
damit Vorbild für die Leser des Lukasevangeliums.
Christen werden
angeregt, ihr Verhältnis zu den Mitmenschen, insbesonders zu den Untergebenen
zu überprüfen. Bei einer solchen Gesinnung der Arbeitgeber hätte sich zum
Beispiel jeder Klassenkampf erübrigt. Die Gewerkschaften könnten ihre
Vorschläge zur Verbesserung der Lebensverhältnisse arbeitender Menschen
vorbringen und würden sie mit den Anliegen der Arbeitgeber koordinieren. Es
gäbe keine Streiks, sondern ein freundschaftliches Klima der Zusammenarbeit
aller. Dies würde auch die Sorge um die Gesundheit einbeziehen. In manchen
Betrieben finden sich diese christlichen Zustände der gegenseitigen
Rücksichtnahme und Förderung. Diese Haltung würde sich in vielen Bereichen des
täglichen Lebens positiv auswirken.
Die Sorge um
die Ausübung der Religion
Obwohl offenbar
selbst Heide, achtet der „Hauptmann“ den Glauben seiner Mitmenschen und
unterstützt ihre Religionsausübung. Auch dies zeigt seine tolerante Gesinnung
und die Achtung vor der Überzeugung anderer.
Christen haben
nicht immer Andersdenkende geachtet. Es gab Missachtung von Überzeugungen und
Verfolgung von „Irrlehrern“, wobei man sich nicht auf Jesus berufen konnte. Die
Gewissensfreiheit musste sich erst mühsam durchsetzen. Wir sind berufen,
Vorkämpfer für die Freiheit des Gewissens zu sein und sollten an vorderster
Front für Menschen mit ehrlicher Überzeugung kämpfen.
Die Demut des
„Hauptmanns“
Es ist
wohltuend, wie bescheiden der Mann auftritt, wie er bittet und sich dann sogar
für unwürdig hält, Jesus zu empfangen.
Christliche
Aufgeblasenheit stößt nicht selten ab. Diese kann bei Mitarbeitern in einer
Pfarre, bei sogenannten „Berufskatholiken“ ebenso zu finden sein wie bei den
Amtsträgern, die sich so ungemein weise und überlegen vorkommen, weil ihnen
eine höhere Bildung geschenkt ist oder weil sie Machtpositionen erklommen
haben. Umso mehr sind geistig Hochstehende und Amtsinhaber, die ihre
Mitmenschen voll Respekt behandeln und ihre Würde achten, eine wahre Wohltat.
Sprich nur
ein Wort!
Der Glaube des
Mannes ist bewundernswert, sein Vertrauen übertrifft das vieler Juden. Er
bezeichnet Jesus mit dem Wort „Herr“, griechisch kyrios, was göttliche
Vollmacht andeutet. Auch heute gibt es viele halbherzig Glaubende. In
charismatischen Gebetsgruppen finden wir zunehmend wieder dieses
vertrauensvolle Gebet, mit dem sie für Glaubensschwache oder Kranke eintreten.
Wir könnten angesichts dieses Evangeliums unseren Glauben erneuern und uns im
Gebet wieder mit mehr Vertrauen an Gott wenden. Die Berechtigung dazu gibt uns
Jesus.
Der Diener
ist geheilt.
Jeder, der in
der richtigen Gesinnung zu Jesus geht, kann Heilung erfahren. Das Gebet für
Freunde in Not ist immer wirksam. Wenn auch die Gesundung nicht so geschieht,
wie man es erwartet. Immer gereicht die Zuwendung im Gebet zum Heil. Es stärkt
die Beziehungen, heilt Verletzungen, tröstet und vermehrt Zuversicht und Freude
(merli@utanet.at)