20. Sonntag
im Jahreskreis
18. 8. 2013
Lk 12,
49-53
49Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es
würde schon brennen!
50Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt,
solange sie noch nicht vollzogen ist.
51Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein,
sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.
52Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus
leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen
drei,
53der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen
die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre
Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
Gedanken zum
Evangelium
Jesus redet von
Feuer, dass er bringt, weist auf seinen Tod hin und spricht von Spaltung.
„Ich bin
gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen.“
Wir befinden uns
in einem Erdteil, in dem sich das christliche Leben zurückentwickelt. Wir haben
zwar unzählige kunstvoll renovierte kirchliche Kulturdenkmäler, vielfach sind
sie aber zu Schauobjekten für Reisende geworden. Die Christen stellen die
Mehrheit der europäischen Bevölkerung, wenn es aber um christliche Grundsätze
geht, sind sie Leichtgewichte in der Gesellschaft. Man setzt kirchliche
„Würdenträger“ bei öffentlichen Veranstaltungen noch auf die ersten Plätze und
begrüßt sie respektvoll, ihre Worte verhallen jedoch großteils ungehört, selbst
wenn sie ihre Stimme fundiert und eindrucksvoll erheben.
Viele Christen
gehen zahlreichen Vergnügungen nach, die ihnen die moderne Lebensart bietet,
leben aber beinahe so, als gäbe es keinen Gott. Von einem Feuer der
Begeisterung und der Freude am christlichen Glauben und Leben findet man nur mehr
Spuren.
In diese laxe
und verschlafene Christenheit ruft Jesus auch heute mit Nachdruck nach einem
neu zu entfachenden Feuer. Der Glaube jedes Einzelnen soll wieder zum Leuchten
und Wärmen gebracht werden. Der Geist Jesu soll in der Welt spürbar sein. Wir
sind aufgefordert, unser Leben zu prüfen und unseren Glauben zu erneuern.
„Ich muss mit einer Taufe
getauft werden, ...“
Jesus drückt sich nicht vor seiner
Aufgabe. Er geht seinen Weg auch in den Tod. In ihm brennt das Feuer der Liebe
zu Gott und zu den Menschen. Sein Lebensweg ist nicht angepasst und bequem. Er
sucht nicht die Ruhe und Annehmlichkeit.
Christen sind Jünger Jesu und dazu
berufen, ihrem Lehrer nachzufolgen. Es gilt, eine Entscheidung für diese
Nachfolge zu treffen und dann den Weg Jesu konsequent zu gehen. In den
Verlockungen zum oberflächlichen Leben, dass uns die Werbung täglich anpreist,
wird der Christ seine Einstellung zu den Angeboten immer wieder korrigieren und
sich an Jesus orientieren.
„Meint ihr, ich sei gekommen,
um Frieden auf die Erde zu bringen?“
Es gibt den faulen Frieden, bei
dem man notwendigen Entscheidungen ausweicht. Man kann Lebensfragen aus dem
Gespräch in der Familie, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz heraushalten.
Man gibt jedem Recht oder will nicht mit seiner Überzeugung herausrücken oder
auffallen.
Der christliche Glaube ist nun
einmal nichts für Angsthasen und Duckmäuser. Wenn es um Gott geht und um die
Hoffnung und Zukunft durch den Glauben an Jesus Christus, kann man nicht
kneifen, ohne Verrat zu üben. Wer stets nur Vorsicht und Rücksicht im Sinn hat,
vergisst seinen Auftrag, Zeuge des Glaubens zu sein. Er versäumt die
Möglichkeit, anderen Wegweisung zu werden und gefährdet womöglich auch seinen
eigenen Glauben. Es ist nicht unangebracht, seinen erwachsenen Kindern einmal klar
zu sagen, dass sie Irrwege gehen, wenn sie Gott vergessen.
Gläubige Christen sind bereit, in
aller Bescheidenheit ihre Überzeugung kundzutun. Sie nehmen auch Ablehnung und
Verachtung in Kauf, weil sie sich in der Gemeinschaft dessen wissen, der ihrem
Leben Sinn gibt.
Jesus spricht auch vom Frieden,
den er den Seinen gibt. Er meint damit den inneren Frieden, der den Glaubenden
in die Geborgenheit bei Gott führt, ihm Ruhe und Gelassenheit bringt und
letztlich auch in der Welt Krieg, Hass und Streit vertreiben kann. Heute weist
er aber darauf hin, dass es keinen Friedhofsfrieden geben kann, wenn es gilt,
den Glauben zu bezeugen und auch in aller Öffentlichkeit zu leben. Sein Leben
und Sterben steht uns als Wegweisung vor Augen (merli@utanet.at).