Montag, 15. Juni 2015



Geburt des Johannes des Täufers

24. Juni

Lk 1, 57-66.80
57Für Elisabet kam die Zeit der Niederkunft, und sie brachte einen Sohn zur Welt.
58Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
59Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
60Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen.
61Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
62Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle.
63Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes.
64Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott.
65Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken, und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa.
66Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war.
80Das Kind wuchs heran, und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag,
an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.

Gedanken zum Evangelium

Johannes ist der einzige Heilige, dessen Geburt im Kirchenjahr als Hochfest gefeiert wird. Alle Feste der Heiligen werden an ihrem Todestag begangen, der ja in frühen christlichen Zeiten als der wahre und entscheidende Geburtstag eines Christen angesehen wurde.
Im Mittelpunkt des Berichtes steht die Namensgebung des Neugeborenen. Der von Gott angeordnete Name hat in der Bibel immer auch die Bedeutung eines Lebensprogramms.
Johannes bedeutet „Gott ist gnädig“.

Zuerst sehen wir in dieser Namensgebung die Gnade Gottes und die Dankbarkeit der Eltern für das unerhoffte Geschenk eines Sohnes.
Wir könnten aus dieser Sicht bedenken, dass jedes Kind ein Geschenk Gottes ist. Es wäre zu hinterfragen, ob selbstherrlich und überheblich klingende Ausdrucksweisen mancher heutiger Menschen, wie „ein Kind zu machen“ oder „sich eines anzuschaffen“, einer respektvollen gläubigen Sicht der kostbaren Gabe Gottes, die jedes Kind darstellt, entsprechen.

Der Name „Gott ist gnädig“ betrifft aber besonders das Leben des Johannes. Seine Berufung zum Propheten ist Gnade, Geschenk von Gott.
Jede Berufung ist Gottes Gnade. Dies betrifft alle, die in einen besonderen Dienst Gottes berufen werden. Priester und Ordensleute sollten von einer lebenslangen Dankbarkeit erfüllt sein. Dieses Wissen von der liebenden Beauftragung durch Gott lässt auch in erfolglosen Zeiten keine Frustration aufkommen. Nur muss man sich diese Gnadengabe auch bewusst machen und in einer Lebensverbindung mit Gott bleiben.
Aber auch die nicht Geweihten, welche Lebensform und welchen Beruf sie auch immer gewählt haben, sind Begnadete. Auch ihre Aufgaben sind heilige Beauftragungen und somit gilt auch für sie uneingeschränkt: „Gott ist gnädig“. Alle heißen letztlich Johannes.

„... er redete und pries Gott.“
In Dankbarkeit sollten alle Christen von der Gnade Gottes reden und Gott preisen. Die Menschen brauchen das gläubige Beispiel derer, die ihr Leben und ihre Begabungen, ihren Beruf und ihre Familien als Gottes „gnädiges“ Geschenk ansehen und das auch durch ein entschiedenes und treues christliches Leben bezeugen.

Johannes wurde zum großen Zeugen für Christus. Er blieb seiner Sendung, für Gott und seine Normen einzutreten, treu bis in den Tod. Er wird mit Recht als großer Heiliger verehrt. (merli@utanet.at)

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13. Sonntag im Jahreskreis

 28. 6. 2015
 
Mk 5, 21-43
21Jesus fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war,
22kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen
23und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.
24Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
25Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.
26Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.
27Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.
28Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
29Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
30Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?
31Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt?
32Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.
33Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
34Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.
35Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?
36Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur!
37Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.
38Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten,
39trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.
40Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag.
41Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!
42Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.
43Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.
Gedanken zum Evangelium

Die Heilung der Frau, die ihr letztes Vertrauen auf Jesus setzt, und die Erweckung der Tochter des Synagogenvorstehers zeigen dem Leser die Notwendigkeit des Glaubens und die Vollmacht Jesu über Krankheit und Tod.

Die Not führt Jairus zu Jesus.
Man sagt: Not lehrt beten. Diese Volksweisheit ist eine Lebenserfahrung. Wohlhabende vergessen häufig auf Gott. In höchster Not finden die Menschen oft wieder zu ihrem Glauben und zum Gebet zurück.
Der reife Christ weiß sich immer gefährdet; sein Leben in Wohlergehen ist nicht endgültig gesichert. Er kann und soll sein Vertrauen in guten und in schlechten Tagen auf Gott setzen und seinen Lebensweg täglich Jesus anempfehlen.

„Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen.“
Die Frau nimmt Zuflucht bei Jesus, sie vertraut sich seiner Hilfe an, sie setzt nur noch auf ihn.
In letzter Not, bei scheinbar aussichtslosen Ereignissen in unserem Leben sollen wir Christen aus dem Glauben leben, uns an Jesus wenden und auf seinen Beistand bauen. „Dein Glaube hat dir geholfen“ gilt für uns alle in schweren Tagen, bei Verlust eines geliebten Menschen und auch in der eigenen Todesnot.

„Sei ohne Furcht; glaube nur!“
Der Synagogenvorsteher wurde zum Glauben ermuntert, als die Rettung seiner Tochter schon aussichtslos schien.
Kennzeichen christlichen Glaubens ist die vertrauende Gelassenheit. Sie ist begründet in der sicheren Erwartung, dass uns Jesus nie verlässt. Der Christ setzt in der Freude, im Leid und in der Ausweglosigkeit seine Hoffnung auf diese Gemeinschaft mit dem Auferstandenen.
Es werden nicht alle Kranken geheilt und alle Toten zurück in die jetzige Welt auferweckt, aber jeder Christ ist schon hineingenommen in die Auferstehung Jesu, er trägt schon den Keim des neuen Lebens, das nicht mehr dem Tod geweiht ist, in sich, er kann nicht mehr endgültig verloren sein.

„Da lachten sie ihn aus.“
Für das Vertrauen auch in schwersten Zeiten haben rein diesseitig Orientierte kein Verständnis. Sie wundern sich und schütteln auch heute den Kopf, wenn sie einen sich seinem Schicksal ergebenden Glaubenden sehen. Der Christ weiß, dass sein Leben nicht endlos gesund und glücklich verlaufen kann. Er bereitet sich schon in gesunden Tagen auf die Situation des Zerbrechens vor, indem er seinen Glauben treu lebt und seine Beziehung zu Jesus pflegt.

„Mädchen, ich sage dir, steh auf!“
Wir können unser Leben in die Hände Gottes legen. Die Stimme Jesu wird sich auch über unserem Leid und unserem Tod erheben: … ich sage dir, steh auf!“ Die Rettung und endgültige Erlösung in die Fülle des Ewigen ist uns schon in Christus, dem Auferstandenen geschenkt. Wer sich ihm im Glauben verbindet, der lebt schon durch ihn in der neuen Dimension, zu der uns Gott ruft. Er wird bemüht sein, die Hindernisse dieser Beziehung zu verringern und immer wieder zu beseitigen.

Staunendes Begreifen, beglückende Lebensfülle, seliges Erwachen sind uns allen von dem verheißen, zu dem wir gehören und der uns in Liebe erwartet. (merli@uztanet.at)