Dreifaltigkeitssonntag
22. 5. 2016
Joh 16, 12-15
12Noch vieles habe ich
euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13Wenn aber jener
kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn
er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört,
und euch verkünden, was kommen wird.
14Er wird mich
verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch
verkünden.
15Alles, was der Vater
hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird
es euch verkünden.
Gedanken zum Fest
Um das Geheimnis des einen Gottes in
seinem dreifaltigen Wesen zu erhellen, wurden viele Erklärungsversuche
unternommen. Vergleiche mit unserer Welt und der geistigen Natur des Menschen
wechselten mit tiefen theologischen Gedanken und Lehren über die
Dreifaltigkeit. Die Bibel und die liturgischen Texte bieten Anhaltspunkte für
diese Glaubenswahrheit, und in den offiziellen Glaubensbekenntnissen wird
versucht, Wesentliches zusammenzufassen.
Dennoch bleibt das Geheimnis
bestehen, weil der Mensch mit seinem geschaffenen Verstand und seinen
diesseitigen Vorstellungen jetzt nur einen blassen analogen Zugang zum
Verstehen des Ewigen hat. Er ist vollständig an die innerweltlichen
Gegebenheiten des Raumes und der Zeitenfolge gebunden und daher nur begrenzt
fähig, göttliches Sein zu begreifen. Werfen
wir am Dreifaltigkeitssonntag einen Blick auf die Bibel, auf die kirchliche
Lehre und auf die Liturgie!
Die Bibel
Wir hätten die Dreifaltigkeit
Gottes nicht erfahren, wenn sie uns nicht geoffenbart worden wäre. Die Aussagen
Jesu haben die Jünger allmählich zur Erkenntnis geführt, dass der ewige Gott in
Jesus Mensch geworden ist und der Heilige Geist gesandt werden wird. Jesus
weist immer wieder darauf hin, dass er mit dem Vater eins ist und dass er
seinen Geist senden wird, um sie alles zu lehren.
So berührt die Dreifaltigkeit
auch das zweite große Glaubensgeheimnis von der Menschwerdung Gottes. Im Prolog
des Johannesevangeliums wird diese Wahrheit deutlich ausgesprochen: „Im Anfang
war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Unter dem
Begriff „Wort“ wird die zweite göttliche Person verstanden. Dann heißt es: „Und
das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine
Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll
Gnade und Wahrheit.“ Und zum Schluss lesen wir: „Der Einzige, der Gott ist und
am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“
Viele Stellen des Neuen
Testaments weisen auf die Dreifaltigkeit des einen Gottes hin. Im heutigen
Evangelium spricht Jesus über den Heiligen Geist: „Er nimmt von dem, was mein
ist, und wird es euch verkünden.“
Die Lehre der Kirche
Der eine Gott ist dreifaltig. Es
gibt in dem einen göttlichen Wesen die drei göttlichen Personen. Im großen
Glaubensbekenntnis wird formuliert: „Wir glauben an den einen Gott,... Und an
den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren
vor aller Zeit; Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; ... Wir glauben an den
Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn
hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird...“
Diese Aussagen weisen auf die
innergöttlichen Beziehungen hin und betonen, dass Gott nicht in unendlicher
Ferne und totaler Einsamkeit existiert. In ihm gibt es die reichste Fülle
innergöttlichen Lebens und höchste Glückseligkeit. Weil wir in unserem
diesseitigen Denken die Einheit der drei göttlichen Personen nicht begreifen
können, schreiben wir gelegentlich die Schöpfung dem Vater, die Erlösung dem Sohn
und die Heiligung dem Heiligen Geist zu. Doch gibt es in Gott diese Trennung in
dieser von uns erdachten Form nicht. Das Wirken Gottes in der Welt geschieht in
gleicher Weise durch die drei göttlichen Personen gemeinsam.
Die Lehre in der Liturgie
In der Präfation des heutigen
Sonntags beten wir: „Mit deinem Sohn und dem Heiligen Geist bist du der eine
Gott und der eine Herr, nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den
drei Personen des einen Wesens. Was wir auf deine Offenbarung hin von deiner
Herrlichkeit glauben, das bekennen wir ohne Unterschied von deinem Sohn, das
bekennen wir vom Heiligen Geiste. So beten wir an im Lobpreis des wahren und
ewigen Gottes die Sonderheit in den Personen, die Einheit im Wesen und die
gleiche Fülle in der Herrlichkeit.“ Vieltausendmal wird täglich von den
Priestern auf der ganzen Welt das „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem
Heiligen Geist...“ gebetet. Die Kirche wendet sich in ihren offiziellen Gebeten
zumeist an den Dreifaltigen Gott.
Diese Glaubenswahrheit von der
Dreifaltigkeit Gottes hat für den Christen höchste Bedeutung. Er weiß sich an
den gewaltigen Lebens- und Liebesstrom, der die Welt trägt, angeschlossen. Er
ist nicht vergessen und verloren. Durch Jesus wird ihm Gottes Nähe und die
damit verbundene Rettung zum Leben in Fülle angeboten und geschenkt. Er soll einst
endgültig an der Glückseligkeit Gottes teilnehmen. Seine adäquate Antwort kann
nur Glaubenstreue und dankbare Anbetung sein. (merli@utanet.at)