2. Sonntag im Jahreskreis
15. 1. 2017
2. Lesung : 1 Kor
1, 1-3
1Paulus,
durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes
2an die
Kirche Gottes, die in Korinth ist, - an die Geheiligten in Christus Jesus,
berufen als Heilige mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn,
überall anrufen, bei ihnen und bei uns.
3Gnade sei
mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Gedanken zur Lesung
Paulus wünscht den „Heiligen,
... die den Namen Jesu überall anrufen, Gnade und Frieden.“
Gnade bedeutet Leben und Kraft
von Gott.
Begnadete erhalten Anteil am
Leben des Dreifaltigen Gottes, das uns durch Jesus ermöglicht wird und das wir
in der Gemeinschaft mit Jesus in der Eucharistie und durch die Sakramente
empfangen. Begnadete sind geprägt durch göttliches Leben, sind ergriffen vom
göttlichen Geist. Von Maria wird gesagt, sie sei „voll der Gnade“. In ihr gab
es kein Hindernis für dieses Leben Gottes. Dies ist das kostbarste Geschenk,
die höchste Gabe, die Menschen empfangen können. Nichts ist wertvoller.
Daher bemüht sich der Christ, der
durch Jesus Berufene und Geheiligte, mit aller Kraft um diese Gabe. Nichts
zieht er diesem Bemühen vor. In dieser Lebensgemeinschaft mit Gott ist auch
jene Kraft enthalten, die den Glauben trägt und den Christen befähigt, sich um
des Glaubens willen zu überwinden. Gnade also ist Leben und Kraft Gottes in
uns.
Friede von Gott und dem Herrn
Jesus Christus wünscht Paulus seinen Christen.
Es gibt unzufriedene Menschen.
Sie können sich selbst nicht leiden, sind immer mürrisch und friedlos.
Christen sollten ihr
Lebensschicksal aus Gottes Hand annehmen. Sie können vertrauen, auch wenn sie
Lasten zu tragen haben. Ihr Leben ist auch dann wertvoll, wenn es diesseitig
nicht geglückt erscheint. Sie sind auch im Leid in Gottes Liebe geborgen.
Sie können in Frieden mit sich
selbst leben.
In Frieden mit den
Mitmenschen.
Manche nörgeln gerne über ihre
Mitmenschen. Sie leben im Streit, kommen mit ihnen nicht aus, sind mit ihrer
Umgebung und mit den Verwandten unzufrieden und beklagen sich ununterbrochen.
Christen hingegen wollen mit den
Menschen in Frieden zu leben. Christen gehen von einem Grundwohlwollen gegen
alle aus. Sie suchen Unrecht zu vergessen und zu vergeben. Frieden zu schließen
und Frieden zu bringen, ist immer ihr Anliegen. Sie entzweien die Menschen
nicht, sondern bemühen sich zur Versöhnung beizutragen. Sie sind
Friedensstifter.
Den größten inneren Frieden
findet der Mensch, wenn er mit Gott in Frieden lebt.
Dies ist eine gute Voraussetzung,
auch mit sich selbst und mit den Mitmenschen in Frieden zu leben. Der Friede
mit Gott beruht auf der Hinwendung zu ihm, auf dem Vertrauen, das man seiner
Liebe entgegenbringt. Eine Voraussetzung des Sünders für diesen Frieden ist die
Reue und die Bereitschaft, sich auf den von Gott vorgegebenen Wegen zu mühen.
Solche Christen leben in der Verbundenheit mit Gott, feiern ehrfurchtsvoll und
treu den Gottesdienst, beten regelmäßig und treten für ihren Glauben ein. Sie
sind gelassen, wenn man sie deshalb angreift. Sie helfen ihren Mitmenschen, wie
es ihr Herr erwartet. Sie erhoffen nach diesem Leben die Vollendung bei Gott.
Der Segenswunsch
des Apostels Paulus gilt auch für die Christen heute: „Gnade sei mit euch und
Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (merli@utanet.at)
*
3. Sonntag im Jahreskreis
22. 1. 2017
Mt 4, 12-23
12Als Jesus
hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa
zurück.
13Er verließ
Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und
Naftali.
14Denn es
sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
15Das Land
Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des
Jordan, das heidnische Galiläa:
16das Volk,
das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich
des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
17Von da an
begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
18Als Jesus am
See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und
seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren
Fischer.
19Da sagte er
zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
20Sofort
ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
21Als er
weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und
seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und
richteten ihre Netze her. Er rief sie,
22und sogleich
verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.
23Er zog in
ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom
Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Gedanken zum Evangelium
Im Evangelium hören wir von der
Berufung der ersten Schüler (Jünger, Apostel). Es waren junge Männer mit ganz
verschiedener Veranlagung, z. B. Petrus, der Praktiker, die Brüder Jakobus und
Johannes, die Eiferer. Sie haben später auch verschiedene Aufgaben übernommen
und erfüllt. Jeder hat eine Berufung von Gott. Die Berufungen sind verschieden.
Christen haben aber immert eine Berufung zum eigenen Leben, zu eigenen
Lebensaufgaben und letztlich zum Glauben.
Berufung zum
Leben
Es gibt Unzufriedene. Sie haben
Mühe mit ihrem Leben. Man sagt, sie machen sich das Leben selber schwer.
Jedes Leben ist kostbar und
bedeutet immer Berufung und Beauftragung durch Gott. Jeder kann wissen, auch
wenn mich die Menschen nicht achten, vor Gott bin ich wertvoll, er baut auf
mich. Er gibt mir mein Leben als eine wichtige Aufgabe, die ich annehmen und
erfüllen kann. Wir können dankbar und getrost unser Lebensschicksal aus Gottes
liebender Hand annehmen. Es ist eine Gnade zu leben.
Berufung zu
besonderen Aufgaben
In Lebenssituationen
wird man hineingeboren. Berufe werden besonders heute vielfach nicht mehr für
das ganze Leben erlernt. Man kommt fast zufällig zu einem Beruf. Auch die
sozialen Verhältnisse sind verschieden. Die Familien haben alle ein eigenes
Gesicht.
Ich kann mir berechtigt
sagen: Auch für meine konkreten Aufgaben bin ich von Gott in sorgender Liebe
beauftragt. Sie sind mein vorgesehener Lebensweg in dieser Welt. Man sollte
nicht unzufrieden sein mit seinen täglichen Aufgaben. Diese zu erfüllen, macht
einen Teil des Lebenssinnes aus. Der Christ soll mutig und unverdrossen jeden
Tag neu beginnen, einerseits dankbar sein, wenn alles mit Freude geschehen
kann, andererseits auch dann unverzagt bleiben, wenn Belastungen kommen. Dann
gilt es, zuerst einmal den heutigen Tag zu meistern und dann erst wieder den
nächsten. Man muss nicht immer schon den ganzen Rucksack, der zu tragen sein wird,
ins Auge fassen.
Berufung zum Glauben
Ohne diese Berufung
wahrzunehmen, wäre das Leben nur halb gelebt. Christliche Weltanschauung heißt,
das Leben zur Ehre Gottes verbringen. Der heilige Ignatius hat den Wahlspruch
geprägt, als er die Tiefe seiner eigenen Berufung, ja jeder christlichen
Berufung verstanden hatte: „Alles zur größeren Ehre Gottes.“
Die leblose und
unvernünftige Schöpfung ehrt den Schöpfer unbewusst durch ihr Sein, ihre
Schönheit, durch die großen Gesetze in der Natur. Der Mensch ist berufen,
seinen Schöpfer und Herrn ganz bewusst zu ehren und zu verherrlichen. Darin
vollendet sich sein Leben, darin besteht der letzte Sinn seines Seins. Wer
darauf verzichtet, trägt eine unerfüllte Sehnsucht in sich, lebt nur teilweise
sinnvoll und findet auch keinen letzten Frieden.
Christen sollten dies
immer bedenken: Gott zu vernachlässigen, bringt kein Glück, keinen Frieden und
keine Freude. Wer zur Ehre Gottes als Christ zu leben versucht, geht seine Wege
getrost und braucht nicht bis zur Erschöpfung jedem Genuss, den diese Welt
bietet, nachjagen. Mit dieser Berufung zum Glauben ist der Auftrag untrennbar
verbunden, seine Glaubensüberzeugung als Apostel je nach den besonderen
Möglichkeiten an Angehörige, Bekannte und Freunde weiterzugeben.
Wir sind als Christen von Gott
berufen zu unserem konkreten Leben, zu unseren Lebensaufgaben und zum
christlichen Glauben. Dieser Weg unserer Berufungen führt uns zum letzten Ziel.
Somit erhält unser Leben seinen letzten Sinn. Dies bedeutet am Ende
Glückseligkeit. (merli@utanet.at)