Herz Jesu-Fest
23. 6. 2017
Mt 11, 25-30
25In jener Zeit sprach Jesus: Ich
preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen
und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27Mir ist von meinem Vater alles
übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den
Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28Kommt alle zu mir, die ihr euch
plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.
29Nehmt mein Joch auf euch und lernt
von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden
für eure Seele.
30Denn mein Joch drückt nicht, und
meine Last ist leicht.
Gedanken zum Evangelium
Die Herz-Jesu-Verehrung hatte in
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der katholischen Frömmigkeit noch
einen hohen Stellenwert. Man eilte an Herz-Jesu-Freitagen zum Gottesdienst,
empfing die Sakramente der Buße und des Altares und verrichtete vorgesehene
Gebete. Herz-Jesu-Bilder hingen in den Wohnungen und Statuen luden in jeder
Kirche zur Andacht ein, bei der die Herz-Jesu-Litanei ihren Platz hatte. Auch
die frommen Herz-Jesu-Lieder wurden häufig gesungen.
Allmählich machten dieser etwas
zu süßlich empfundenen Frömmigkeitsübung nüchternere Formen des Betens Platz.
Dennoch sollte man, richtig verstanden, der Herz-Jesu-Verehrung einen
gebührenden Raum im katholischen Andachtsgut bieten.
Worum geht es bei der Herz-Jesu-Verehrung?
Unter Herz allgemein und hier im
Besonderen versteht man das reiche Innenleben, die Gesamtheit der Gesinnungen
Jesu. Diese zu betrachten, über diese betend nachzudenken, kann ein guter Weg
zur eigenen Orientierung sein.
Wer mit einer Person in Liebe und
Ehrfurcht verbunden ist, lernt deren Gesinnungen und Lebenshaltungen. So ist es
auch bei dieser Andachtsform. Wer auf Jesus schaut, erkennt seine eignen
Schwächen und lernt so zu leben, wie es für den Jünger, die Jüngerin Jesu
vorgesehen ist.
Man lernt, dass Liebe Hingabe
bedeutet, erkennt die Werte der Wahrhaftigkeit, der Treue zu einem Auftrag, der
Fürsorge, der Ehrfurcht vor Gott und allem Heiligen.
Der Christ wird aber nicht nur
durch das Beispiel Jesu verwandelt, sondern auch durch die mit der Andacht
verbundenen Gebete und den Empfang der Sakramente hineingenommen in den
göttlichen Lebensstrom, der durch Jesu Herz fließt. Daher ist eine fortlaufende
Herz-Jesu-Verehrung ein Reifungsvorgang von größtem Wert und von höchster
Bedeutung im christlichen Leben.
Man kann also auch heute von
dieser Andachtsform einen eminenten geistlichen Gewinn erfahren und so den Weg
der Nachfolge Christi immer entschiedener gehen. Man ist davor gefeit, sich im
religiösen Leben in Nebensächlichkeiten aufzuhalten und Wesentliches aus dem
Auge zu verlieren.
Die Herz-Jesu-Verehrung behält ihren großen Wert auch in unsrer Zeit.
Sie ist nicht die einzige Form tiefer Frömmigkeit, dennoch aber allen zu
empfehlen. (merli@utanet.at)
Geburtsfest Johannes des Täufers
24. Juni
Lk 1, 57-66.80
57Für Elisabet kam die Zeit der Niederkunft, und sie brachte
einen Sohn zur Welt.
58Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen
der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
59Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und
wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
60Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll
Johannes heißen.
61Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemanden in deiner
Verwandtschaft, der so heißt.
62Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das
Kind haben solle.
63Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen
aller darauf: Sein Name ist Johannes.
64Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder
gebrauchen, und er redete und pries Gott.
65Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken, und man
sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa.
66Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und
sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die
Hand des Herrn mit ihm war.
80Das Kind wuchs heran, und sein Geist wurde stark. Und
Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag,
an dem
er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.
Gedanken zum Fest
Gott sendet Propheten.
Zu allen Zeiten gab es die
Sendung, Botschaften Gottes zu verkünden. Daneben gab es viele falsche
Propheten, die ihre eigene Weisheit kundtaten.
Echte Propheten führen zum
Glauben an Christus, sie verkünden sich nicht selbst, sie führen höher und weiter.
Wir sollten den Ruf Gottes, der
uns heute durch Menschen vermittelt wird, beachten. Propheten und ihre Hörer
sind gebunden an die Botschaften, die Zukunftshoffnung bedeuten und Heil verheißen.
Johannes heißt „Gott ist gnädig“.
Gottes Zuwendung bedeutet immer
Gnade, Huld, Hilfe, Stärkung, Belebung Ermutigung, Heilung. Gläubig vertrauen
kann nur der Christ, der diese liebende Zuwendung Gottes kennt und beachtet.
Dankbarkeit und Gelassenheit können so das Leben des Glaubenden durchziehen.
„In der Wüste“
Das Leben des Johannes war von
Entschiedenheit geprägt. Schon am Anfang seines Auftretens stand die Hingabe an
seinen Auftrag. Schließlich starb er auch nach aufrüttelnden Aufrufen zur Bekehrung
und nach seinem Bekenntnis zu Jesus in der unerschrockenen Treue zu Gottes
Wegweisung als Märtyrer.
Vielleicht sollten wir in der
Überflussgesellschaft bedenken, dass Glaube und Hingabe an den Willen Gottes
Werte sind, die man nicht im Vorübergehen so nebenbei erwerben kann und die
nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Gläubiges Leben ist nicht
immer vereinbar mit bequemem Überfluss. Vielleicht sollten wir auch, besonders
zu heiligen Zeiten, „in der Wüste“ neue Glaubenskraft, Hoffnung und Liebe
tanken.
Die Gestalt des Johannes ist uns Vorbild, seine Worte sind Wegweisung.
(merli@utanet.at)
12. Sonntag im Jahreskreis
25. 6. 2017
Mt 10, 26-33
In jener
Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
26Fürchtet euch nicht vor den
Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist
verborgen, was nicht bekannt wird.
27Was ich euch im Dunkeln sage,
davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von
den Dächern.
28Fürchtet euch nicht vor denen, die
den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor
dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.
29Verkauft man nicht zwei Spatzen
für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen
eures Vaters.
30Bei euch aber sind sogar die Haare
auf dem Kopf alle gezählt.
31Fürchtet euch also nicht! Ihr seid
mehr wert als viele Spatzen.
32Wer sich nun vor den Menschen zu
mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.
33Wer mich aber vor den Menschen
verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Gedanken zum Evangelium
„Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“
Es gibt ängstliche Menschen, die sich immer fürchten.
Sie fürchten sich vor der
Finsternis, vor einem Gewitter, vor einer Reise, vor Unbekanntem und vor
Fremden. Es gibt mutige Menschen, die sich kaum fürchten, die fast immer
optimistisch leben, allerdings auch gelegentlich enttäuscht werden.
Es gibt bei nicht wenigen aber
ein eigenartiges Phänomen: die Menschenfurcht, besonders dann, wenn es um den
Glauben, um das religiöse Leben geht. Es ist nicht zu begreifen, wie sich
erwachsene, reife, im Berufsleben bewährte Männer und Frauen fürchten, ihren
Glauben vor anderen zu zeigen und zu leben. Da werden sie wie ängstliche
Kinder. Besonders bei Männern kann man dies häufig beobachten.
Welche Ursachen hat diese eigenartige Menschenfurcht?
Man kann diese Erscheinung in
Europa zurückverfolgen auf die öffentliche Verunglimpfung, die schon im 19.
Jahrhundert, dann in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkrieges
und schließlich in den letzten Jahrzehnten wieder stärker in
glaubensfeindlichen Zeitschriften und Sendungen stattfand.
Glaubensschwache und
charakterlich unsichere Menschen lassen sich auch heute allzu leicht
beeinflussen. Sie scheuen eine klare Stellungnahme gegen die Meinung anderer;
sie schwimmen gerne mit der Masse mit und schließen sich lieber den Lautstarken
an, als selbst eine gegensätzliche eigene Meinung zu vertreten. Sie sind
religiöse Angsthasen und werden von Menschenfurcht gebeutelt.
Mitverursacht wird eine solche
Mentalität durch mangelnden Glauben und ein zu geringes Glaubenswissen, um in
einer Diskussion bestehen zu können. Was man verloren hat, wird man auch nicht
mehr bekennen oder verteidigen können.
Jeder reife
Christ sollte die Worte Jesu hören und befolgen: „Fürchtet euch nicht vor den
Menschen!“
Christen,
besonders Erwachsene und reifere Jugendliche, sind aufgefordert, sich zu ihrem
Glauben, letztlich zu Jesus Christus in Wort und Tat zu bekennen.
Dies geschieht durch die treue
Mitfeier der Feste des Glaubens, durch den Besuch von Veranstaltungen der
Weiterbildung in religiösen Fragen, durch das Glaubenszeugnis bei Diskussionen
in der Familie, am Arbeitsplatz, im Gasthaus, beim Heurigen und überall, wo das
Thema auf den Tisch kommt. Dazu gehören Überzeugung, Glaubenswissen,
Entschiedenheit und Mut. Das macht den reifen und glaubwürdigen Christen aus.
Wer sich zu einer
solchen Haltung entschließt, dem gelten die Worte Jesu aus dem heutigen
Evangelium: „Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch
ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.“
Aber auch die Warnung sollten Christen beachten: „Wer mich aber vor den
Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“
(merli@utanet.at)