Pfingstsonntag
20. 5. 2018
Joh 20, 19-23
19Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus
Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre
Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine
Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie
mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu
ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr
die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
Gedanken zum Evangelium
In der Pfingstzeit empfingen die
meisten von uns das Sakrament der Firmung. Auch heute werden im katholischen
Raum überall Firmfeiern gehalten und junge Menschen gefirmt. Sie wurden darüber
informiert, dass sie den Heiligen Geist empfangen werden. Dies kann eine neue
Lebenssicht bewirken und die Zukunft wesentlich beeinflussen.
Häufig geht der Tag aber ohne
großen Glaubensimpuls zu Ende und die Wirkung des Sakramentes ist danach nicht
mehr zu sehen. Gelegentlich sagt man, die Firmung sei das Sakrament der
Verabschiedung vom kirchlichen Leben. Bei manchen jungen Menschen wird dieses
Sakrament aber doch auch lebensbestimmend. Junge Christen treffen gelegentlich
eine Entscheidung, die bleibt, hält und trägt.
Wie könnte sich die Firmung
auswirken? Welche Konsequenzen wären anlässlich des Pfingstfestes auch für
Christen, die schon vor längerer Zeit gefirmt worden sind, möglich und
notwendig? Schauen wir auf das Wort Gottes im heutigen Evangelium:
Die Türen sind verschlossen.
Sind nicht auch unsere Türen zu
Gott und zu den Menschen zu? Stehen wir nicht in einer Isolierung von Gott?
Leben wir nicht Tage und Wochen hindurch fast so, als gäbe es überhaupt keinen
Gott?
Fragen stehen im Raum: Warum gehen
Christen häufig ihren Weg allein und ziehen sich von Gott zurück? Warum leben
sie eher ohne Gott und nicht mit Gott? Er ist doch Ursprung und Ziel allen
Seins, und auch wir Menschen können ohne ihn nicht existieren. Jeden Augenblick
trägt uns seine Lebenskraft. Er ist uns wohlgesinnt und verheißt und gibt Hoffnung
und Zukunft. Kann es etwas Besseres geben, als mit Gott bewusst und dankbar zu
leben? Öffnen wir die Türen zu ihm!
„Friede sei mit euch!“
Wer sich auf Jesus Christus bewusst einlässt, den überkommt gelassene
Ruhe, der kann sich von den belastenden Zwängen des Alltags und der Moden
befreien, der lebt in einem befreienden Frieden. Er weiß sich auch mit all
seinen Schwächen von Gott angenommen, beschützt und getragen. Er kennt die Nöte
des Herzens und des Körpers, aber er verzagt nicht. Er lebt richtig, kann
vergeben und heilen, braucht nicht ängstlich auf sein Recht und auf Geltung zu
pochen. Er hetzt nicht vergänglichen Werten nach, ist zufrieden, beneidet nicht
und hasst nicht. Er lebt einfach im Frieden Christi. Es ist dies ein
gutes und letztlich glückliches Leben der stillen Freude über Begabungen,
kleine Geschenke und gute Freunde. Er ist in seiner Gesinnung dankbar für die
Gaben der Natur, der Kunst und vor allem des Glaubens. Er kritisiert, aber er
nörgelt nicht. Er ist geduldig mit sich und mit anderen. Er ist einfach von
Gottes Geist erfüllt. Manchmal wird er so zur belebenden Oase für seine
Mitmenschen.
„Empfangt den Heiligen Geist!“
Dieses Wort gilt auch heute für uns Christen. Die Gabe des Heiligen
Geistes ist nicht nur einmal den Aposteln mit Getöse geschenkt worden, sondern
wird im Leben eines Christen ununterbrochen angeboten und gegeben.
Nur wer den hohen Wert dessen richtig einschätzt, was es heißt, Gottes
Geist empfangen zu können, wird alles daran setzen, diese Gabe nicht zu
versäumen. Christen sind dort zu finden, wo der Heilige Geist geschenkt wird.
Dies geschieht in einem treuen religiösen Leben. Wer alles für wichtiger hält
als den Heiligen Geist, der wird womöglich ohne diese Heilskraft und innere
Erneuerung leben und sterben.
Suchen wir also den Heiligen Geist! Was von Gottes Geist kommt, steht in
seiner Wichtigkeit über allem. Es gibt keine wertvollere Gabe im Leben eines
Menschen.
„Wem ihr die Sünden vergebt, dem
sind sie vergeben...“
Ein wesentlicher Teil der Rettung,
der Befreiung, der Erlösung des Menschen besteht darin, dass ihm seine
Seelenlasten genommen werden, dass er frei wird von seinen Sünden. Er muss die
Steine seiner Fehlhaltungen nicht ewig mitschleppen, er kann sie abladen. Es
nützt der dröhnende Lärm der modernen Welt nichts, es hilft auch nicht die
Überredungskraft des Psychotherapeuten. Sünde bleibt Sünde, auch wenn man sie
zerreden und wegdiskutieren möchte.
Jesus wusste von der Schwäche des
Menschen. Er machte uns wirklich frei, indem er unsere Sünden auf sich nahm,
und sie durch seine Liebeshingabe vernichtet hat. Er hat unser Nein gegen Gott
durch sein liebendes Ja beseitigt. Auch das ist die Gabe des Heiligen Geistes,
an dieses Geschenk zu glauben und es anzunehmen.
Wahrheiten leuchten zu Pfingsten
auf: Firmung als bewusste Bestätigung der Taufe und als Kraft der Erneuerung. -
Gottes Geist als Gabe für ein Leben in neuer Qualität. - Christliches Leben als
Vorausschau auf die wahre und endgültige Freude menschlichen Seins. - Gefirmte
sollten stets treue Zeugen ihres Glaubens und ihrer Freude sein. (merli@utanet.at)
*
Pfingstmontag
21. 5. 2018
Lk 10, 21-24
21In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt,
voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du
all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
22Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand
weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur
der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
23Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein:
Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.
24Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was
ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und
haben es nicht gehört.
Gedanken zum Evangelium
Lobpreis Gottes
Jesus ist uns auch in seinem Beten Vorbild. Der Christ ist immer
aufgerufen, in erster Linie Gott zu preisen. Das Lob Gottes soll dem Dankgebet,
dem Bittgebet oder dem Gebet der Reue vorausgehen oder es begleiten. Wir kommen
hauptsächlich in unseren Ängsten und Nöten zu Gott und vergessen häufig auf das
Lobgebet. Die höchste Berufung des Menschen ist Gott zu loben und zu preisen.
Die Unmündigen
Es gibt heute so viele „Wissende“. Das gescheite Reden ist überall
verbreitet. Zu allen Fragen der Politik, zu sportlichen Ereignissen, zu
Katastrophen und zu allem und jedem werden frisch und munter windige Lösungen
angeboten. Auch vor religiösen Wahrheiten und Ereignissen wird dabei nicht Halt
gemacht.
Dennoch zählen vor Gott nicht das große Reden, die hohe Bildung oder die
gesellschaftliche Stellung. Was zählt, ist die ehrliche und dankbare Annahme
des Glaubens und der gute Wille, redlich zu reden und zu handeln. Es würde den
Christen, Priestern und Laien, mehr Bescheidenheit und Demut gut anstehen.
Jesus, der Mittler
Gerade jetzt werden viele „Wahrheiten“ propagiert: Heilslehren schwirren
durch die Medien, Gesundheitsapostel sind unermüdlich unterwegs, Retter aus
Angst und Resignation bieten sich an, Selbstverwirklichungshelfer stehen
bereit.
Christen sollten wissen: Es gibt die Rettung aus aller Not allein durch
Jesus Christus. Heilende Helfer und Lebensbegleiter mögen nützlich sein, aber
die endgültige Befreiung aus allen Tiefen menschlicher Existenz hat uns Gott in
Jesus Christus angeboten.
Selig sind…
In unserem christlichen Glauben haben wir einen kostbaren Schatz, eine
überragende Wegweisung und die alles überbietende Lebensgemeinschaft mit
unserem Gott, alles Gaben die uns für dieses Leben und für die Zukunft danach
Seligkeit verheißen. Warum sollten wir billigen Angeboten nachlaufen, wenn wir
das Gold der Gotteskindschaft in uns tragen?
Der Heilige Geist erleuchtet
das Denken derer, die sich ihm betend öffnen und seine Anregungen gläubig
erhoffen. (merli@utanet.at)