Christkönigssonntag
25. 11. 2012
Joh 18, 33b-37
33bPilatus ließ Jesus rufen und fragte
ihn: Bist du der König der Juden?
34Jesus antwortete: Sagst du das von dir
aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?
35Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein
Jude? Dein eigenes Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert.
Was hast du getan?
36Jesus antwortete: Mein Königtum ist
nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute
kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist
nicht von hier.
37Pilatus sagte zu ihm: Also bist du
doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu
geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis
ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.
Gedanken zum
Evangelium
Am letzten
Sonntag des Kirchenjahres feiern wir das Christkönigsfest. In der Zeit der Republiken
herrschen Könige nur mehr eingeschränkt oder nehmen bloß noch repräsentative
Aufgaben wahr. Früher waren Könige Alleinherrscher und besaßen fast
uneingeschränkte Macht über ihr Gebiet und auch über die Menschen. Die Antwort
auf die Frage des Pilatus konnte vor diesem Hintergrund gefährlich sein, wurde
doch gefordert, überall im Römischen Reich die Macht des Kaisers
uneingeschränkt anzuerkennen.
„Bist du der
König der Juden?“
Die Juden
erwarteten zur Zeit Jesu einen Messias als politischen Befreier. Sie dachten in
den Kategorien des Alten Testamentes: Kampf gegen die Besatzung, Sieg über die
Feinde, neue politische Unabhängigkeit, ein neues israelitisches Reich waren
die gängigen Erwartungen, die durch den Messias erfüllt werden sollten.
Die
Heilsverheißungen als Rettung aus der Sünde durch einen ganz gottergebenen
Propheten waren bei vielen Juden nur im Zusammenhang mit der Errichtung eines
neuen Königreiches vorstellbar. Man wollte Jesus ja auch nach eindrucksvollen
Wundertaten zum König machen. Er aber entzog sich immer diesem Ansinnen.
Auch in der
Kirche gab es vielfach ein ähnliches Denken. Mit den Mitteln der Macht suchte
man die Königsherrschaft Gottes aufzurichten. Auch heute bauen wir nicht ungern
auf Einfluss und Machtpositionen, um unsere pastoralen Aufgaben besser und
leichter erfüllen zu können. Wir sind gerne bereit, den Beistand Reicher
anzunehmen und den Mächtigen in Politik und Wirtschaft manches nachzusehen,
wenn sie unsere sicherlich redlichen seelsorglichen Anliegen und Aufgaben
finanziell unterstützen.
Kirchliche
Amtsträger könnten sich fragen: Wollen wir nicht auch Macht, Einfluss, wollen
wir nicht ein wenig herrschen oder die Menschen beherrschen? Müssen wir nicht
umdenken?
„Mein
Königtum ist nicht von dieser Welt.“
Jesus weigerte
sich immer, die Menschen auf billige Weise zu gewinnen. Von der
Versuchungserzählung angefangen über das wiederholte Bestreben, ihn zum König
auszurufen, bis zum Hosanna des Palmsonntages zieht sich seine Ablehnung
weltlicher Macht und Gewalt durch sein ganzes Leben. Er will seinen Mitmenschen
dienen, sie überzeugen, sie bekehren, so dass sie aus eigener Entscheidung
seinen Weg wagen, ihm nachfolgen und gerettet werden. Er verkörpert die
Herrschaft Gottes und die Dimension des Ewigen, wo die Liebe alles trägt.
„Ich bin dazu
geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis
ablege.“
Es geht um die
Wahrheit gegen jede Lüge, jede Heuchelei, jede Verdrehung der Normen Gottes,
gegen jede falsche Sicht des Lebens. Der Teufel, der „Lügner von Anbeginn“,
gaukelte den Menschen ein Scheinglück vor, er verführte zu verkehrtem Denken
und Handeln.
Auch heute
lehren zahlreiche Lügenpropheten, das letzte Glück bestehe im Genießen, in der
dicken Brieftasche, in glänzenden beruflichen Positionen, in Wohlstand und
Gesundheit allein. Man müsse sich nicht zu Gott bekehren, ihn nicht verehren,
man könne Gott aus dem täglichen Leben überhaupt entfernen, ja es gäbe ihn ja
gar nicht. So wachsen die von religionslosen Filmen gefütterten Kinder in einer
gottfernen Welt auf, viele Erwachsene leben ohne sichtbaren Gottesbezug, die
Gesellschaft tanzt immer hektischer um goldene Kälber oder auch Ochsen. Die
Frage über das Woher und Wohin und über den Sinn wird nicht gestellt. Was mir
passt, das muss die Wahrheit sein, denken viele.
Wir Christen
sollten am Christkönigsfest wieder auf Jesus schauen. An seinem Leben und an
seinem Wort kann jeder die Wahrheit über Gott und die Welt, über den Sinn des
Lebens und über seine wahre Zukunft ersehen.
„Jeder, der
aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“
Wir befinden uns
in der Gefahr, im leeren Getöse der Lebensgier, von dem wir umgeben sind, die
Stimme Jesu zu überhören. Die Notwendigkeit der Bekehrung und der Erneuerung
unserer Beziehung zu Jesus steht als Aufruf vor unserem Gewissen. Wir können
einen sicheren Weg gehen, wenn wir die Wahrheit, die uns Gott in Jesus
mitteilt, hören und danach zu leben versuchen. Wir können die trügerischen
Leitbilder unserer Zeit abwehren und in der Wahrheit leben.
Auf dem Weg, den
uns Jesus zeigt, sollen wir auch für andere Zeugen der Wahrheit sein. Wir sind
berufen, mitzubauen am Reich Gottes, das kommen soll. Es ist „das Reich der
Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der
Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens“ (Präfation des Christkönigsfestes).
Wir beten: „Dein Reich komme!“
(merli,@utanet.at)